Bayern: Hüttenwanderung für Anfänger

Rund um den Spitzingsee mit Übernachtung auf urigen Berghütten

Wandern liegt im Trend und ist mittlerweile in allen Altersstufen angesagt. Kein Wunder, schaltet man doch bei der Bewegung an der frischen Luft wunderbar vom Alltag ab. Auch Monsieur Fernweh und ich haben das Wandern für uns entdeckt und uns nach einigen Tagestouren in der Umgebung als blutige (aber nicht ganz unsportliche) Anfänger zum ersten Mal an eine Hüttenwanderung für Anfänger gewagt. Wir haben uns dafür einen Teil der 3-Seen-Tour in Oberbayern ausgesucht. Zwei Mal haben wir auf urigen Berghütten übernachtet. Im Gepäck hatten wir neben der Vorfreude auch Zweifel, ob das wirklich das richtige Hobby für uns ist und ob die Berghütten unseren Ansprüchen genügen würden. Welche Erfahrungen wir dabei gemacht haben und wie es uns gefallen hat, erfährst Du zusammen mit vielen Tipps für die Tour in diesem Bericht.

Hüttenwanderung für Anfänger - Inhaltsverzeichnis

Hüttenwanderung für Anfänger: die Tour

Eine gute Stunde südlich von München, hinter dem Schliersee, liegt der zauberhafte Spitzingsee. Auf etwa 1100m Höhe schmiegt er sich in die traumhafte Bergwelt der Bayerischen Alpen. Der Start- und Endpunkt unserer Hüttenwanderung war in dem kleinen Ort Spitzingsee am Spitzingsee. Dort haben wir im traditionellen Mittelklassehotel Gundl Alm die erste Nacht vor dem Aufbruch zur Hüttenwanderung verbracht (wer es etwas komfortabler haben möchte, nächtigt im gegenüberliegenden Arabella Alpenhotel, das wunderschön direkt am See liegt, auch schön zum Verlängern nach der Wanderung). 

 

Wir konnten glücklicherweise unser Auto für die nächsten beiden (Wander-) Tage auf dem Parkplatz der Gundl Alm stehen lassen (für 10,00 € Gebühr). Am nächsten Morgen ging es dann mit gepackten Rucksäcken und allem Nötigen für die nächsten beiden Nächte  (—> Packliste) zunächst um den wunderschönen Spitzingsee bis zum Spitzingsattel, dem offiziellen Einstieg der 3-Seen-Tour. Hier gibt es auch einen Parkplatz, auf dem Du Dein Auto abstellen kannst. 

Vom Spitzingsattel geht es über einen Grashang mit herrlicher Aussicht auf den Spitzingsee durch den Wald aufwärts zur ersten Hütte, in der auch übernachtet wird - der Schönfeldhütte (1410m), die Du  bereits nach etwa einer Stunde erreichst. Hier kannst Du dann das Gepäck zurück lassen und zu einer weiteren Tagestour zum Gipfel des Jägerkamp (1746m) wandern. Der etwas steilere Auf- und Abstieg dauert etwa 2,5 Stunden. Danach schmecken der zünftige Hüttenschmaus und das frischgezapfte Bier als Belohnung einfach köstlich. Einen erholsameren Schlaf als nach diesem Ausklang in der urigen Berghütte kann man sich kaum vorstellen!

Nette Sidestory: unser Bundespräsident war auch schon Gast auf der Schönefeldhütte und hat die gleiche Wanderung gemacht.
Nette Sidestory: unser Bundespräsident war auch schon Gast auf der Schönefeldhütte und hat die gleiche Wanderung gemacht.

Nach einem leckeren Frühstück auf der Schönfeldhütte geht es am nächsten Morgen weiter. Über breite Berghänge und waldige Abschnitte geht es über den Taubensteinsattel zum Taubensteinhaus. Nach der Überquerung von sanften Almwiesen, auf denen die Kühe grasen, geht es ein Stück steiler den Berg hinauf bis zum Miesingsattel. Von hier geht es wieder etwas abwärts zur Großentiefental-Alm und anschließend weiter bergauf über die Kümpflscharte zum Tagesgipfel, der Rotwand (1884m). Der etwa halbstündige Aufstieg hinter dem Rotwandhaus lohnt sich schon wegen der überwältigenden Aussicht bis zu den Hohen Tauern. 

Am schönen Rotwandhaus kann man toll draußen sitzen und  bei einer Pause (und einer Jause) den Blick auf die Berge genießen. Von hier geht es heute nur noch bergab, was allerdings manchmal schwieriger zu bewerkstelligen ist als ein Aufstieg beim Wandern, also freu` Dich nicht zu früh.

 

Die Landschaft ändert sich erneut, und es geht durch den breiten Pfannengraben und wieder in den dichten Blätterwald und am Fluß und wunderschönen Wasserfällen entlang bis ins Tal der Roten Valepp. Nachdem wir vorher herrliches Wetter hatten, sind wir hier in ein Gewitter und einen Regenschutt gekommen. So konnten wir wenigstens auch die mitgebrachten Regenjacken nutzen. Ja, es hat geregnet... und wie... Aber selten haben wir uns der Natur so nah gefühlt wie in diesem Moment.

Die letzte Strecke läufst Du gemütlich im Tal am Fluß entlang bis zur Albert-Link-Hütte (1053m). Nach insgesamt  etwa 6-stündiger Wanderung tun uns die Beine weh. Heute war wirklich alles dabei: Wiesen, Felder, Wälder, Berge, Felsen, Wasserfälle. Und auch das Wetter hätte nicht abwechslungsreicher sein können. 

Auf der Albert-Link-Hütte genießen wir wieder das zünftige Hüttenessen und fallen müde in unser Zwei-Bett-Zimmer. 

Nach der zweiten Hüttenübernachtung geht es heute nur noch gemütlich zurück von der Albert-Link-Hütte zum Spitzingsee, den wir zum Abschluss nochmal umrunden, um die herrliche Aussicht auf den See und die Berge zu genießen. In einfachem Gelände bist Du hier etwa zwei Stunden unterwegs. 

Hüttenwanderung für Anfänger: Karte, Schwierigkeit & Fazit

Schwierigkeit: ich würde die Tour als „mittelschwer“ bezeichnen. Vor allem der zweite Tag ist mit den Steigungen und der gesamten Länge nicht ganz einfach und eine Grundkondition und Trittsicherheit sind erforderlich. Die Wege sind überwiegend gut begehbar. Festes Schuhwerk ist notwendig.  

 

Fazit: Die Hüttenwanderung, die wir gemacht haben, entspricht den ersten beiden Tagen der „Drei-Seen-Tour“ vom DAV. Wir sind nur am dritten Tag nicht weiter nach Enterrottach, sondern zurück zum Spitzingsee gelaufen, wo wir unser Auto geparkt hatten.

 

Der DAV empfiehlt die 3-Seen-Tour als "einfach" und für Familien und Genußwanderer geeignet, das kann ich allerdings so nicht bestätigen. Für geübte Wanderer mag das so sein. Aber wenn man nicht schon mit den Wanderschuhen an den Füßen auf die Welt gekommen ist, sind einige Abschnitte über steileres oder steiniges Gelände doch eine kleine Herausforderung. Die Tour ist aber bei normaler Kondition und etwas Vorsicht durchaus auch für Anfänger prima geeignet. Uns hat diese neue Herausforderung beim Wandern und den Übernachtungen auf den Berghütten total Spaß gemacht. Es war eine spannende Erfahrung, mal wieder etwas Neues kennenzulernen und sich der Natur und dem Wetter so nah und teilweise ausgeliefert zu fühlen. Das ist für Planungs- und Organisationsperfektionisten aus der Stadt wie mich speziell... Aber gerade dieses Überwinden der eigenen Grenzen bereichert ja unsere Persönlichkeit oft beim Reisen.

Hüttenwanderung für Anfänger: die Übernachtungs-Hütten

Wir waren totale Hütten-Anfänger und hatten keine Ahnung, wie es auf den Berghütten zugeht. Allerdings wollten wir nicht in einem für die Berghütten typischen Bettenlager übernachten und haben uns auch deshalb diese beiden Hütten ausgesucht. Es gibt in der Schönfeldhütte und der Albert-Link-Hütte jeweils Zweibett-Zimmer, was wir als sehr angenehm empfanden. Man kommt auf der Hütte leicht mit anderen Wanderern ins Gespräch, was auch sehr nett ist, aber die Privatsphäre auf dem Zimmer haben wir schon sehr genossen. Im Zimmer befindet sich ein Waschbecken. Die Nutzung der sehr sauberen Gemeinschaftsbäder war überhaupt kein Problem. Praktisch ist auch, dass man die beiden Hütten unter einem Kontakt buchen kann. Tipp: vor allem zu den gefragten Wochenenden in der Hochsaison solltest Du frühzeitig reservieren!

 

Mitglieder im DAV bekommen übrigens einen ermäßigten Übernachtungspreis und auch ermäßigte Preise für Speisen und Getränke auf der Hütte. Wenn man also vor hat, regelmäßig Hüttentouren zu machen, lohnt sich evtl. eine Mitgliedschaft. 

 

Preise: für die Übernachtung auf der Hütte im Zweibett-Zimmer haben wir 60 € bezahlt, ein Frühstück oder eine warme Mahlzeit kosten um die 10 €.

Hier noch ein paar Hüttenregeln, die auch schon bei der Planung der Hüttenwanderung interessant sind:

 

-kein öffentliches WLAN

-keinen Müll dort lassen

-drinnen nur Hüttenschuhe

-Abendessen 17.30 - 19.00 h

-Frühstück 07.30 - 08.30 h

-Nachtruhe 22.00 h

-nur Bargeld

(Tipp: 1 € Münzen für Warmwasser mitnehmen)

Hüttenwanderung für Anfänger: die Ausrüstung inkl. Packliste

 

Die richtige Ausrüstung ist für eine Hüttenwanderung total wichtig. Man muss sich nicht alles neu anschaffen, vor allem, wenn man noch nicht weiß, ob man zukünftig öfter solche Touren macht und es -wie wir- erstmal ausprobieren möchte. Aber ein paar Dinge sind schon wichtig und man sollte sie sich entweder besorgen oder leihen.

 

Das A und O sind hierbei die Wanderschuhe, die ich Dir für diese Tour auf alle Fälle empfehle. Beim Kauf sollte man auf gute Qualität Wert legen, sich am besten beraten lassen und sie vorher ordentlich einlaufen. Bei anderen Dingen kann man auch ruhig weniger Wert auf Qualität legen oder sich anders behelfen. So habe ich z.B. anstatt eines Hüttenschlafsacks einen einfachen Bettbezug von zu Hause mitgebracht. 

 

 

Hier findest Du meine übersichtliche Packliste mit den Dingen, die für die erste Hüttenwanderung für Anfänger wichtig sind. Praktisch zum Ausdrucken, abhaken und ergänzen.

Download
Packliste Hüttenwanderung für Anfänger
Packliste Hüttenwanderung für Anfänger.p
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Madame Fernweh

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