Tipps für Reisen mit Teenagern

Meine Erfahrungen und gut gemeinte Ratschläge

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Die Französische Revolution…

 

..begann bei uns im Sommer 2018. Unsere Kinder waren damals 14, 12 und 9 Jahre alt. Im Jahr davor, bei unserem Aktivurlaub in Schweden, war unsere Reisewelt noch in Ordnung. Niemand hat gemeckert, alle fanden die täglichen Ausflüge und Aktivitäten spannend und hatten Spaß. Doch dann haben wir im Sommer 2018 eine Rundreise durch die Normandie und Bretagne unternommen. Paris war noch aufregend. Seine Rundfahrt, Frühstück im Café, Shoppen bei Lafayette und (nach stundenlangem Anstehen) im Supreme Store, ein Bummel über die Champs Élysée mit Besuch im Paris St. Germain Fanshop. Das alles ging noch problemlos. Anders wurde es dann, als ich auf dem Weg von Paris in die Normandie das Haus mit dem Seerosenteich von Monet in Giverny besuchen wollte. Was für einen Teich, von wem? Die ganze Autofahrt dorthin wurde gemotzt. Aber ich hatte mir nun mal den Seerosenteich in den Kopf gesetzt. Dass die Warteschlange vor dem Haus dann so lange war, dass wir stundenlang hätten anstehen müssen, hat die Kinder tierisch gefreut, denn das kam natürlich nicht infrage. Hauptsache, der Eiswagen auf dem Parkplatz hatte geöffnet.

Also ging es weiter in die Normandie. Zunächst nach Etretat, was mit den spektakulären Kreidefelsen und dem schönen Strand noch einigermaßen akzeptiert wurde. Die Besichtigung des schönen Hafenstädtchens Honfleur war allerdings erst nach langen Diskussionen möglich. 

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Paris war noch cool, aber lächeln auf Fotos schon out
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An den Felsen von Etretat
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Familie Fernweh vor dem Eifelturm

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Lange Gesichter in Honfleur

Immerhin hat sie Golden Beach, der D-Day Strand, mit der Gedenkstätte doch ziemlich beeindruckt. Danach wollte ich weiter zur meist besuchten Sehenswürdigkeit Frankreichs, dem Mont-Saint-Michel. Die Kinder haben hinten im Auto geschlafen, und weil der Besuch in Golden Beach für Geist und Seele wirklich anstrengend war, haben wir von Weitem ein Foto gemacht und sind nach St. Malo weiter gefahren. Die rosa Granitküste ging auch noch, denn da kann man über die Felsen klettern. Aber dann ging es los. Als wir in unserem Ferienhaus in Plozevet ankamen, begann die Revolution. Ausnahmsweise waren sich mal alle drei einig, als sie mit verschränkten Armen vor uns standen und verkündeten: „In diesem Land hat doch mal eine Revolution stattgefunden, oder?“ „Ja, das hat sie, vor langer Zeit“ „Also, wir machen jetzt auch eine Revolution - wir machen ab jetzt keine Ausflüge mehr, nirgendwo hin. Und wir stehen morgens auch nicht mehr früh auf.“ Punkt. Das saß. Sie wollten jetzt die Woche im Ferienhaus nur noch mit Dingen verbringen, die SIE gerne machen: chillen, Musik hören und am Handy daddeln. Ihre Geduld mit Mamas Art, Urlaub zu machen, war jetzt zu Ende. Für immer. 

Das war also unser Wendepunkt in Sachen Familienurlaub. Ich habe es danach noch ein paar Mal versucht…“vielleicht nur ein halber Tag, ein kleiner Ausflug nach Concarneau, zum Bummeln. Und die Fischhalle in Guilvinec soll ganz berühmt sein…“ Zwei Mal habe ich sie in der Woche noch überredet, aber nur noch Gemotze und Widerstand geerntet. Mit Ausnahme des Bootsausflugs, bei dem man zwischendurch Angeln konnte, den fanden sie gut.

In diesem Urlaub habe ich gelernt, dass ich die Art, wie ICH gerne Urlaub mache, nicht automatisch auf die Kinder übertragen kann, jedenfalls nicht, wenn sie sich Richtung Teenageralter bewegen. Und ich habe gelernt, dass ich auch keinen Spaß habe, wenn sie überhaupt keinen Spaß an den Dingen haben, die ICH gerne mache. In dem „Roadtrip Teil“ des Urlaubs musste ich sie jeden Morgen wecken und überreden, aufzustehen, damit wir weiterfahren können, nachdem ICH ihre Koffer gepackt habe.

 

Danach habe ich beschlossen, in Sachen Reisen mehr auf ihre Wünsche und Bedürfnisse einzugehen, auch wenn die gar nicht mit meinen übereinstimmen (ich bin KEINE Langschläferin) oder ich sie nicht immer für gut finde (zu viel am Handy!)

 

Man muss sich dafür nur mal in die Perspektive der Kinder reinversetzen. Nein, ich wollte als Kind oder Teenager auch nicht auf Tageswanderungen gehen!  Heute finde ich das toll, aber damals? Und wir haben unsere Kinder auch nicht dazu erzogen, sie kennen es nicht von klein auf, dann ist das bestimmt nochmal anders. Als die drei klein waren, haben wir die Winter in unserem Lieblingsskigebiet in Hochkrimml verbracht und im Sommer meist Urlaub mit Freunden in einem Ferienhaus im Süden gemacht (Sardinien, Kroatien, Mallorca). Von dort ein paar Ausflüge unternommen, aber oft am Strand und Pool entspannt. Das war mir dann nach ein paar Jahren zu langweilig und ich wollte mit der Familie was erleben. Aber wenn ich es mir recht überlege, kann ich ihnen ja nicht verübeln, dass sie jetzt am liebsten immer noch (oder wieder) am Strand oder am Pool chillen wollen.

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So stellen sich unsere Kids Urlaub vor
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Nizza darf es aber mal sein
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Ausflüge mit dem Fahrrad wie hier zum Westerhever Leuchtrum sind auch eher unbeliebt

Deshalb habe ich beschlossen, mehr auf ihre Urlaubswünsche einzugehen, weil ich nur dann auch einen entspannten Urlaub haben kann. Nicht, wenn dauernd einer motzt, weil er sich schon wieder „was anschauen“ muss. 

 

Mittlerweile sind unsere Kinder 17, 15 und 12 und ich habe rausgefunden, dass folgendes in Sachen Reisen bei uns sehr gut funktioniert:

  • Skiurlaub geht immer noch gut,  mittlerweile kann jeder in unserem kleinen Skigebiet seine eigenen Wege gehen und man trifft sich später wieder
  • Mallorca lieben die Kinder, vielleicht wegen des Mythos (zwar ein Grund für mich, es nicht zu mögen, aber sooo schlimm ist es ja auch nicht)
  • USA geht immer (nach zwei traumhaften Urlauben in Florida, das für mich das Fernreiseziel Nummer 1 mit Kindern ist), fahren wir deshalb in diesem Sommer nach Kalifornien. Und siehe da: sie lassen sich sogar auf einen Roadtrip ein. Sie freuen sich allerdings am meisten auf die Städte - Natur steht bei unseren Kindern nicht so hoch im Kurs.
  • eigene Wege gehen: sie werden mal von Freunden eingeladen auf einen Kurztrip oder planen mittlerweile auch eigene Reisen mit Freunden. Für mich ist die Hauptsache, dass sie über den Tellerrand schauen. Und in meinen Augen erweitert JEDE Reise den Horizont.
  • Städte ziehen. Wir wollen zum Beispiel in den Osterferien an den Gardasee, das interessiert die drei jetzt nicht so brennend, außerdem haben sie natürlich Angst, sie müssen wandern oder andere Ausflüge machen. Aber die Ankündigung, dass wir nach VENEDIG fahren wollen, hat sie dann doch gepackt. 
  • also Namen ziehen auch. Sie wollen lieber an Orte, die sie dem Namen nach kennen, sei es Mallorca, Los Angeles oder Venedig. Aber wehe, ich würde NORWEGEN vorschlagen (wo ich so gerne mal hin würde).
  • am liebsten ohne Ortswechsel. Umziehen im Urlaub geht gar nicht, oder eher ganz selten. Am liebsten an einem Ort bleiben. Deshalb hat unser Hausboot Urlaub in Irland gut funktioniert, weil wir die Unterkunft nicht gewechselt haben, aber mit dem Boot doch die Orte wechseln konnten. Das war quasi für alle optimal. Außerdem konnten sie beim Bootsfahren selbst mit anpacken und fanden das super.
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Weihnachten in Florida fanden alle gut
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Beim Hausboot Urlaub hilft jeder mit

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Mallorca ist bei allen beliebt
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Beim Skiurlaub sind sie auch noch dabei

Mein Tipp an dich ist also, sich auf die Wünsche der Kinder so weit wie möglich einzulassen, ohne dass ihr euch als Eltern natürlich verbiegen müsst. Und gelassen damit umzugehen. Manchmal regeln sich die Dinge dann von selbst. 

 

Wir waren zum Beispiel in den letzten Herbstferien auf Mallorca, in - ich traue mich kaum es zu schreiben als große Verfechterin der Individualreisen - einem „All Inclusive Club“. Ich habe eine Erklärung: meine Jungs haben mittlerweile so einen Riesenhunger, dass sie gefühlt alle zwei Stunden eine doppelte Mahlzeit verschlingen und keiner mehr mit der Essenszubereitung hinterher kommt. Außerdem sind sie mittlerweile groß genug, dass sie selbständig am Sport- und Animationsprogramm teilnehmen können, wenn sie wollen, oder eben nicht. Und wir Erwachsenen wollten in der Zeit auf Ausflügen die Insel erkunden, ob mit oder ohne Kinder. Und dann war es doch tatsächlich so, dass die Kinder teilweise mitkommen wollten, so zum Beispiel auf einen Ausflug auf den Markt von Alucudia (denn da gibt es ja Fake Desingerartikel ohne Ende). Was ich sagen will: ich habe mich dann gefreut, dass sie FREIWILLIG mitgekommen sind. Hätte ich sie gezwungen, hätte keiner was davon gehabt. Zumindest bei unseren Kindern funktioniert es nicht (mehr), dass man sie zu etwas überredet und sie dann doch Spaß entwickeln.

 

Deshalb ist mein Rat für entspanntes Reisen mit Teenagern, die eigene Einstellung zu überdenken und die eigenen Erwartungen runterzuschrauben. Ihre Perspektive einzunehmen und auch mal „Fünf gerade sein lassen“. Auch wenn man dafür nicht die Reise machen kann, die man sich selbst vorgestellt hat. Die kann man dann besser wieder als Paar ohne Kinder machen - es dauert nicht mehr lange, sie werden so schnell groß!! Ich für meinen Teil habe nur Spaß, wenn sie auch Spaß haben. Nicht, wenn ich sie zu etwas gezwungen habe und sie die ganze Zeit lange Gesichter machen, ich aber meinen Willen durchgesetzt habe. Das gilt allerdings nicht nur für das Reisen, sondern das ganze Leben mit Kindern.  

 

Und zum Schluß:

 

Diese Familienurlaube haben bei uns bestens funktioniert und deshalb kann ich sie dir nur ans Herz legen:

 

1. Mecklenburgische Seenplatte mit Kindern

2. St. Peter Ording mit Kindern

3. Hamburg mit Kindern

4. Hausboot Urlaub in Irland

5. Familienskigebiet in Österreich

6. Aktivurlaub in Schweden

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Kommentare: 2
  • #2

    Madame Fernweh (Freitag, 25 März 2022 10:00)

    Liebe Karina,

    es beruhigt mich ungemein, dass es in Eurer Familie ähnlich zugeht wie bei uns ;-)
    Und es freut mich sehr, wenn Dir meine Seite gefällt :-))

    Bis bald und ganz liebe Grüße,
    Sabine

  • #1

    Karina (Dienstag, 22 März 2022 22:43)

    Liebe Sabine,

    herrlich zu lesen. Musste oft schmunzeln und hab unsere Familie nicht nur 1x wieder erkannt.

    Toller Blog und super Hinweise. Freu mich weiter von Dir zu lesen und ich bin schon gespannt auf Deinen Bericht zum Yoga Retreat in Portugal �‍♀️�

    Liebe Grüße von den "Schwestern" �